Ich, der Herr, wandle mich nicht;

Maleachi 3, Vers 6

Letztens las von einer Begebenheit, die sich im Dritten Reich ereignete, wo man etwas gegen die Juden hatte und wo ein Kirchenmitglied bei dem bekannten Pastor Wilhelm Busch, mit der Bitte, seinen Sohn zu taufen, vorsprach.

Der Bittsteller wollte allerdings keinen Taufspruch aus dem Alten Testament der Juden, sondern einen aus dem Neuen Testament der Christen.

Der Pastor schlug daraufhin ein paar Bibelverse vor, die der taufwillige Vater sehr schön fand, zumal er “sofort erkannte”, dass dies Sprüche waren, die nur aus dem Neuen Testament sein konnten. Der Pastor musste den Vater dann aber “enttäuschen”, als er ihm sagte, das sämtliche der zitierten Sprüche aus dem Alten Testament stammten.

Wilhelm Busch zitierte dann zum Vergleich den Spruch “Schrecklich ist es in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen”, aus dem Hebräerbrief, der von dem Vater sofort dem Alten Testament zugeordnet wurde. Auch hier musste der Vater “enttäuscht” werden, weil dieser Vers im Neuen Testament steht.

Es scheint ein nicht auszuräumendes Missverständnis zu sein, wonach im Alten Testament von einem zornigen Gott die Rede ist, während uns Jesus im Neuen Testament einen liebenden Gott verkündet, wobei beide Gottheiten nichts miteinander zu tun haben.

Erst kürzlich erhielt ich von einem meiner Leser eine sehr ausführliche und durchaus qualifizierte Ausarbeitung, die fast schon den Umfang einer Diplomarbeit hatte, in der er schlüssig darlegte, dass der Gott des Alten Testaments ein gewalttätiger, rachesüchtiger, mörderischer, kurzum bösartiger Gott sei, wohingegen der Gott, den Jesus verkündet, das gerade Gegenteil sei.

Ich musste ihm dann mitteilen, dass er nicht erkannt hat, um was es in der Bibel geht und dass das Neue Testament so gesehen noch viel härter als das Alte Testament ist, zumal hier die Unversöhnlichkeit Gottes hinsichtlich der Sünde im Kreuzestod Jesu Christi sichtbar und auf die Hölle, apokalyptische Geschehnisse und das Weltgericht hingewiesen wird.

Auch ich hatte, wie viele Christen, anfänglich Schwierigkeiten damit, das Alte und Neue Testament als eine Einheit zu sehen, wo das eine ohne das andere nicht denkbar ist. Aber hier haben selbst Kirchenfunktionäre ihre Probleme, wenn z.B. Frau Käßmann in einer Fernsehserie davon berichtete wie sich der primitive Stammes- und Vulkangott Jahwe zum Weltenschöpfer und Gott der Liebe emporentwickelt hat.

Und so hat man dann das einseitige Wunschbild von einem Softie-Gott entwickelt, der in seiner Affenliebe alles durchgehen lässt, was dann so sonntäglich in vielen Kirchen verkündet wird.

Die Judenchristen, auch als messianischen Christen bezeichnet, haben uns hier einiges voraus, weil sie als Juden von Natur aus im Alten Testament beheimatet sind und von daher das Neue Testament einordnen können. Wir Heidenchristen, die wir mehr auf das Neue Testament fixiert sind, haben da unsere Probleme.

Dadurch wird vielleicht erklärbar warum die EKD mit den Judenchristen auf Kriegsfuß steht. Die EKD sieht die im Alten Testament verhafteten gläubigen Juden als so etwas wie die Angehörigen einer gesonderte Religion, vergleichbar mit dem Islam, an, weshalb man zu beiden in einen “Dialog” tritt.

Weil angeblich alle an denselben Gott glauben, wurde der Begriff der “Abrahamitischen Religionen” erfunden, die aus Christentum, Judentum und Islam bestehen, wobei man sich, insbesondere mit den Muslimen, “geschwisterlich verbunden” weiß.

Da die gläubigen Juden, wie der Islam, den Christen feindlich gesonnen sind, würde es den “christlich-jüdischen Dialog” stören, wenn die EKD Kontakte zu den messianischen Juden unterhielte oder diese gar unterstützen würde.

Hier muss man fragen, ob sich die EKD deshalb so wenig für die im Islam verfolgten Christen einsetzt, wohl weil das den christlich-muslimischen Dialog stören würde.

Gott hat es gefügt, dass ich Kontakt zum Verein zur Förderung des messianischen Glaubens in Israel e.V., mit Sitz in Guntersblum bekommen habe, wodurch ich neue Einsichten gewonnen habe. Der Verein ist im
Internet unter ZELEM aufrufbar, von wo man kostenlos die Zeitschrift
„Bote neues Israel“ beziehen kann.

Mir wurde deutlich, dass das Neue Testament insoweit die Fortsetzung des Alten Testamentes ist, weil sich hier die Prophetie des Alten Testaments erfüllt. Zwar haben sich noch nicht alle Prophetien erfüllt, aber der
innere Zusammenhang und wie die Aussagen aufeinander Bezug nehmen ist
unverkennbar.

Jörgen Bauer